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Huawei Ascend P6 – alte Liebe rostet nicht

Berufsbedingt hatte ich schon einige Smartphones verschiedener Hersteller in meinen Fittichen. Privat ist meine Handy- beziehungsweise Smartphone-Laufbahn bis dato recht bescheiden. Es fing mit einem Nokia 1600 an – hier empfiehlt sich ein Blick auf einen schönen Retro-Artikel auf computerbild.de. Das Nokia wurde 2011 durch ein anderes Nokia ersetzt: durch das 6303i. Ich erinnere mich noch gut, dass mir das Handy sehr gefallen hat.

Dann schuf ich mir mein erstes Smartphone an. Das Samsung Galaxy S Plus war mein Eigen, da gab es schon den überaus erfolgreichen Nachfolger Galaxy S2 zu kaufen. Damals reichte mir das S Plus aber völlig aus. Ich spielte CyanogenMod als alternatives Betriebssystem auf. Erst mit neuen Android-Versionen und Anwendungen, die mehr Speicher und Prozessorleistung forderten, wuchs allmählich der Wunsch nach einem besseren Smartphone.

Es war Spätsommer 2013. Die bekannten Smartphone-Größen hatten ihre damaligen Topmodelle draußen. Doch sie waren für mich schlicht uninteressant. Ich entschied mich für ein Smartphone eines noch relativ jungen Mitstreiters, mein neues Smartphone wurde das Ascend P6 von Huawei. Ja, optisch erinnerte es stark an Apples iPhones 4 beziehungsweise 4S, doch es war größer (4,7 statt 4 Zoll) und merklich flacher. In der von mir gewählten schwarzen Variante verfügte es über eine Alu-Rückseite, der Rand war generell sehr dünn gehalten, sodass sich das Display bis fast an die Kante erstreckte. Man konnte von Liebe auf dem ersten Blick sprechen.

Die Ausstattung befand sich auf hohem Niveau, lediglich mangelnden LTE-Funk konnte man Huawei schon damals ankreiden. Heute, fast zwei Jahre nach Kauf und etlichen gemeinsamen Stunden mit dem P6 später, will ich nun mein persönliches Fazit ziehen. Denn während viele Tests mehr eine Momentaufnahme sind, fließen in mein Urteil monatelange Erfahrungen ein.

Musste mein P6 leiden? Ja! Hat es mich jemals richtig enttäuscht? Nein! Verfiel zwischenzeitlich der anfängliche Zauber um das P6? Schwierige Frage … Ich will mal so sagen: Spätestens, wenn ein neues Top-Smartphone erscheint und alle bisherigen Modelle in puncto Ausstattung und Schnelligkeit besiegt, gibt es neidische Blicke auf die Konkurrenz. Check. Wenn sich dann noch frische Gerätedesigns angenehmer in der Hand anfühlen, will man (ich) am liebsten sofort wechseln. Check. Und ja, solche Momente gab es viele. Check. Stopp!!

Auch wenn mir das Huawei Ascend P6 mehrfach (!) auf harte Kacheln gefallen ist, die unvorteilhafte Position der Kopfhörerbuchse dabei bereits deformierte und eine Kante sich leicht gelöst hat – das Smartphone funktioniert nach wie vor wie am ersten Tag. Bei einem iPhone oder Galaxy-Handy wäre sicherlich längst das Display gesprungen; oft genug las man solche Nutzererfahrungen in Blogs & Co.

Um die Überschrift dieser Kolumne zu verstehen, möchte ich von einem Ereignis erzählen, das zwei Monate zurückliegt. Vorweg: Ich bin nicht abergläubisch. Doch woran soll man bitte glauben, wenn einem die 32-Gigabyte-Speicherkarte (über 20 GB gefüllt) an einem Freitag, den 13., aus heiterem Himmel „abraucht“. Das Huawei selbst meldete nur, dass die Karte nicht mehr lesbar sei und ich sie formatieren sollte. Zu dem Zeitpunkt – fest entschlossen, demnächst ein neues Smartphone anzuschaffen – legte ich die microSD einfach zur Seite, hörte fortan keine MP3s übers Smartphone, gab mich meinen Schicksal hin …

Es sollte noch schlimmer kommen. Vor rund zehn Tagen – ich war gerade unterwegs – stoppte plötzlich, während ich Radio (wieder entdeckte Funktion, wenn man halt keine MP3s mehr hat) hörte, die Wiedergabe. Das Ascend P6 startete neu, direkt in den Download-Modus. Weil ich nichts „kaputt“ (noch kaputter) machen wollte, unterbrach ich den Prozess nicht. Nach einem weiteren Neustart hielt ich zu meiner Überraschung ein P6 im Werkszustand in den Händen. Alle Daten wutsch. WTF!!

Nie war der Wunsch nach einem neuen Smartphone größer, aber ich gab dem Huawei noch eine Chance, die letzte. Ich richtete also das Gerät neu ein. Die Huawei-Oberfläche, die ich zuvor mittels Launcher überdeckt hatte, erlebte ich dadurch neu. Und sie gefiel mir überraschend außerordentlich gut. Sie kommt ohne App-Übersicht daher und ähnelt damit der iPhone-Software. Überhaupt läuft das Ascend P6 seit dem ungewollten Neubeginn geschmeidiger denn je. Viele Daten waren glücklicherweise über mein Google-Konte und die Sim-Karte gespeichert. Und als Sahnehäubchen erkennt das Smartphone nun meine Speicherkarte wieder!

Neuerdings sieht man mich (wie gewohnt) mit In-Ear-Kopfhörer durch die Stadt ziehen. Ich bin glücklich, fast schon verliebt in mein neues altes Huawei Ascend P6. Es hat Narben und Kratzer, ja – doch ich betrachte sie als schöne Erinnerungen.